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Wilhelmsgarten

Zweiter Friedhof Wilhelmsgarten

Auszug aus "Der Heidewanderer", Heimatbeilage der Allgemeinen Zeitung vom 08. September 2007 verfasst von Friedrich Brüning:

Dem Bahnreisenden, der in Bad Bevensen ankommt, bietet sich als erster Eindruck eine grüne Oase mit Spazierwegen und einem Denkmal in der Mitte: der heutige "Wilhelmsgarten". Man ahnt zunächst nicht, dass es sich hierbei um einen ehemaligen Begräbnisplatz handelt; es gibt auch keinen Hinweise darauf. Nichts erinnert mehr daran, dass hier über einen Zeitraum von rund 100 Jahren die Verstorbenen der Kirchengemeinde Bevensen bestattet worden sind.

Auf dem ersten Friedhof rund um die Kirche herum war es eng geworden. Erweiterungsmöglichkeiten gab es nicht. Immer wieder hatte man Grabstellen mehrfach belegen müssen. Lange Überlegungen und Verhandlungen führten schließlich zu der Entscheidung, einen neuen Friedhof vor der Stadt anzulegen. Zu diesem Zweck kaufte die Kirchengemeinde von dem Bürger Gade dessen am Wege nach Sasendorf gelegende Landfläche. Die Königliche Regierung gab mit Erlass vom 17. Januar 1798 die Genehmigung dazu.
Der damalige Weg nach Sasendorf, das ist die heutige Bahnhofstraße. Es gab dort noch keine Bebauung, vermutlich war der Weg noch nicht befestigt. Die Eisenbahn gab es noch nicht, der Weg führte über den Pathsberg direkt nach Sasendorf und weiter nach Barum. Erst mit dem Bahnbau 1847 wurde die heutige Lindenstraße durch einen Schrankenübergang zur Verbindung nach Sasendorf.

Am 02. Oktober 1798 fand auf dem neuen Friedhof das erste Begräbnis statt (ein vierjähriges Kleinkind), und von da ab wurden auf dem alten Friedhof an der Kirche keine Bestattungen mehr zugelassen. Wie beim alten Friedhof war auch das neue Friedhofsgelände entsprechend den kirchlichen Richtlinien mit einer Mauer, in späterer Zeit mit einer Hecke umfriedet. Das Einfahrtstor befand sich etwa in der Mitte der Nordseite, der heutigen Bahnhofstraße. Schon bald wurde es auch hier zu eng, so dass 1831 die Fläche durch Zukauf auf 1,06 ha erweitert wurde. Eine später geplante nochmalige Erweiterung war dann aber nicht mehr möglich, weil das infrage komende Gelände inzwischen durch die Bahnhofsanlage und den Bahnhofsvorplatz blockiert war.
So musste man auch hier schon bald zu Mehrfachbelegungen der Grabstellen übergehen. Superintendent Bückmann sah sich daher rechtzeitig nach einem Platz für einen weiteren neuen Friedhof um. Bis 1898 gab es aber noch Bestattungen auf dem Friedhof an der Bahnhofstraße, also über eine Zeitspanne von genau 100 Jahren seit der erstmaligen Belegung. Auch danach blieben die Grabstätten zunächst weiter erhalten.

Im Jahre 193 kam es in dieser Hinsicht zu einer weitreichenden Entscheidung. Der Kirchenvorstand unter dem Vorsitz von Superintendent Lorenz beschloss in einer außerordentlichen Sitzung am 05.05.1913, der "alte Kirchhof, ... welcher seit 1872 unbenutzt ist und welcher diurch geeignete bisherige Pflege einen parkähnlichen Charakter angenommen hat, soll aus Anlaß des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs als ein dem öffentlichen Gebrauche darzubietenden schattigen Garten hergerichtet und bestimmt werden und den Namen "Wilhelmsgarten" tragen.

Das Postamt vom Wilhelmsgarten aus gesehen



Im Stadtarchiv fand sich ein Schreiben vom Kgl. Konsitorium Hannover vom 24.03. 1913 (Quelle Stadtarchiv Bad Bevensen):


"...Wir haben mit Interesse von dem Entschluß des Kirchenvorstandes, nach dem der alte Kirchhof zum öffentlichen Garten bestimmt wird, Kenntniss genommen."

"...bedarf es zu der Bezeichnung "Wilhelmsgarten", da sie aus Anlaß des bevorstehenden Regierungsjubiläums seiner Majestät des Kaisers und Königs erfolgt..."
Am 05. Mai 1921 wurde das Ehrenmal im "Wilhelmsgarten" unter großer Beteiligung der Bevölkerung mit Ansprachen von Superintendent Otto Meyer und Bürgermeister Gustav Möller sowie des Kriegervereins-Vorsitzenden, Sparkassendirektor Mennerich, eingeweiht. Dieses überwiegend aus Spendengeldern finanzierte Denkmal sollte und soll auch noch heute an die 157 Gefallenen des I. Weltkrieges aus Bevensen und Umgebung erinnern.

Einweihung des Denkmals im Wilhelmsgarten

Franzosenzeit

Franzosenzeit
1807 errichtete Napoleon das Königreich Westfalen. Dazu gehörte auch das Königreich Hannover und somit auch der Flecken Bevensen. Folglich war auch eine französische Verwaltung und Besatzung in Bevensen vorhanden.
Natürlich kam es auch bei den Franzosen in Bevensen zu Todesfällen. Sie wurden wie die verstorbenen Bevenser Bürger auf dem Friedhof bestattet. Die Gräber erhielten Grabsteine mit ausgearbeiteter Inschrift.

Bis 1927 wurden die Gräber auf diesem Friedhof fast vollständig eingeebnet und die Grabsteine größtenteils von den Angehörigen der Verstorbenen abgeholt. Einige Reste von gemauerten Grabgewölben waren noch bis in die vierziger Jahre sichtbar und noch heute sollen sich unter der Erde oberflächlich zugeschüttete Grabgewölbe befinden.

Die Grabsteine der Franzosen übernahm damals der Färber Ludwig Wagner. Er erweiterte später seine Färberei und benötigte außen am Haus eine neue Treppe. Für diese Treppe wurden die vorhandenen französischen Grabsteine als Stufen verwendet. Teilweise kam beim Einbau die beschriftete Seite nach oben, so dass die eingemeißelten Namen lesbar waren. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Treppe viel genutzt. So wurden im Laufe der Jahre in der Mitte der Stein-Stufen die eingelassenen Namen abgerieben. (weitere Informationen zur Franzosentreppe finden Sie auf www.historisches-bevensen.de )

Franzosentreppe