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Im fünften Kriegsjahr

Es machten sich überall die Engpässe bemerkbar. Das Papier wurde knapp. Wir schrieben mit Bleistift um das Blatt mehrmals benutzen zu können. Aber auch Radiergummis wurden knapp. Für uns Flieger-DJ. wurde es langweilig. Immer den Segler auf Flugeigenschaften zu trimmen. Nebenbei bastelten wir noch Holzspielzeug für Kinder deren Väter an der Front waren oder gefallen “fürs Vaterland”!

Wir legten einen grösseren Gleiter auf den Bock! Eine Rhön mit etwa 4 mtr. Spannweite. Als wir dann an einem Heimabend zum Treffen kamen — da waren alle unsere Arbeiten in Flammen aufgegangen. Der Krieg hatte vorrang. SS hatte Stacheldraht gezogen und ein Lager für Kanonenhülsen errichtet. Die Krs.-Leitung war machtlos. Ein Oberscharführer jagde uns fort. Kriegsgelände, für Zivilisten verboten.
Wir zogen dann in ein anderes Quartier neben den Arbeitsmaiden am Friedhof. Keine Fenster und Fabrikhohe Decken, keine Heizung! Es wurde dann die Schule als Treffen bestimmt. Aber dort wurde auch die Kohle knapp. Deswegen gab es im Winter 44-45 verlängerte Winterferien. Die dröhnenden Sondermeldungen wurden weniger! Hitler hatte sich wohl totgesiegt? Das flüsterten die Alten unter sich.

Schwarz war die “Modefarbe”. Viele Klassenkameraden hatten morgens rotgeweinte Augen. Wieder ein Angehöriger auf dem Felde der Ehre verreckt! Es ist leider ein Vorgriff, ich bitte um Verzeihung. Garnicht viel später haben meine Augen die Gefallenen für “Führer und Volk”, von Belgrad bis Kallies an den Strassenrändern und Feldern liegen sehen. Geopfert für Gröfaz! Von Ehre keine Spur! Vergessen, liegengelassen!

E. Stelter