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Letzte Ferien vor dem Krieg

Zeitzeugenbericht:

Wenn in den Ferien die Klassenkameraden zum Teil in die Ferienziele fuhren, wurde es für die Verbliebenen langweilig. Es war wohl Kurzweil vorhanden, aber die Kameraden fehlten. Dauerbesuch mit Monatskarte in der Badeanstalt mit den Brüdern und Butterbroten. Sonne und Wasser! Der nächste Ärger stand parat! Zum Blaubeeren pflücken!! Die „Lust“ dafür verschaffte uns Mutter durch Drohungen und Kopfnüsse. Faulheit wurde durch die Füllungen der Gefäße nachgewiesen. Am späten Nachmittag war dann wegen der Mückenplage und Bremsen endlich Schluss.

Jeden Tag solange es Beeren gab. Ab in den Wald. Fronarbeit! Wenn aber die Pilzzeit da war, dann waren wir nicht mehr zu halten. Drei Kiepen und Körbe waren schnell gefüllt. Es gab reichlich Pfifferlinge, Steinpilze und Grünlinge. Mutter kannte als Waldarbeiterin bei den Pflanzungen viele gute Stellen.
Wenn das Taschengeld für den Kirmes auf den Rückwerderplatz nicht reichte wurden die Kinderkarussells angeschoben. Eine Stunde = eine Freifahrt! Von Oma gab es 0,50 Pfennig, dafür musste ich ihr noch eine Papierrose schießen!

Wenn die Eltern Zeit hatten besuchten wir die Eltern meines Stiefvaters in Bernsee mit den Fahrrädern. Es war eine schöne Zeit. Mein Bruder war bei der Mutter im Korb vorn angebracht und ich saß bei meinem Stiefvater auf dem Fahrradgestänge, als Polster ein Kissen. Mutter war schwanger. Ich als Nichtwisser habe immer beim Rasten gesagt sie solle nicht so viele Rosinensemmeln essen sonst wird sie noch dicker! Es war herrlich im Wald auf der Decke bei Limo und Butterstullen! Bald danach fing der Polenkrieg an und diese unbeschwerte Zeit kam nie wieder.
Alles wurde eingespannt, niemand hatte mehr die Muße das Schöne zu genießen. War alles andere wichtiger, keine Zeit!

E. Stelter