Bei der Kirche

Geschichte des Kirchenfriedhof

Der Platz um die Bevenser Kirche wurde bis 1798 als Begräbnisstätte genutzt. Da Chronisten vermuten, schon 833 habe es hier eine einfache Kirche gegeben, wären hier über einen Zeitraum von fast 1000 Jahren unzählige Verstorbene vieler Generationen bestattet worden. Die Ursache dafür, das dieser erste Friedhof ab 1798 nicht mehr genutzt wurde liegt darin begründet, daß es bei der Anfertigung von Gräbern nicht zu vermeiden war, das Leichenteile mit ausgegraben wurden. Der damalige Pastor Eckard setzte sich darum mit allen Mitteln für eine Neuanlage ein. Aber auch später zeugten unangenehme Funde von der Geschichte des Platzes. Als 1801 das Küsterhaus neu gebaut wurde, fand man beim Ausgraben des Kellers mehrere noch nicht verweste Leichen. Die Funde wurden dann auf dem zu dieser Zeit bereits bestehenden Friedhof im jetzigen "Wilhelmsgarten" bestattet. Der Überlieferung nach, wurden auch beim Umbau des Wohnhauses von Drechslermeister H. Schenk, beim Bau der Vorhalle an der Brauttür der Kirche und der Anlage eines Zaunes am Hofe des Bäckermeisters Th. Meyer viel Knochenreste gefunden.
Auszug aus "Der Heidewanderer", Heimatbeilage der Allgemeinen Zeitung vom 08. September 2007 verfasst von Friedrich Brüning:
War ein Pastor oder ein anderer wichtiger Bürger verstorben, so fand selbstverständlich die Trauerfeier in der Kirche statt. Für alle "normalen" Bürger war der Ort für die Trauerfeier, den Abschied von dem Verstorbenen, das Haus, in dem er gewohnt hatte. Von dort wurde er dann zum Friedhof gebracht. Da die Kirche das Zentrum der Gemeinde war, fanden auch die Toten dort ihren letzten Ruheplatz, nähmlich auf dem Gelände rund um die Kirche herum.




Pastoren wurden häufig in der Kirche bestattet, meist im Altarraum, wo dann ihre Grabstätten mit der Grabplatte bedeckt wurden. So finden wir den Ort des ersten Bevenser Friedhofs auf dem Gelände, das heute rund um die Dreikönigs-Kirche den Kirchplatz bildet. Er wurde für Bestattungen benutzt vom Beginn der Bevenser Kirchengeschichte bis zum Jahr 1798. Wer heute um die Kirche herumgeht, entdeckt eine umzäunte Fläche östlich und nördlich des Gebäudes. Das ist ein kleiner Teil des ursprünglichen Friedhofsgeländes. Seine ganzen Ausmaße sind heute kaum noch vorstellbar. Es reichte im Osten bis an die heutige Straße "An der Aue", an der Südseite bis in das Grundstück der heutigen Nachbarbebauung, umfasst einen Teil des Platzes, auf dem jetzt das Denkmal des Amtes Medingen für die Gefallenen des Krieges von 1870/71 steht, den mit Lindenbäumen bestandenen Kirchplatz bis an die Pastorenstraße, das Grundstück, auf dem jetzt das Gemeindehaus steht und die heutige Straße "Bei der Kirche".




Schon in der Lüneburger Kirchenordnung von 1564 wurden den Gemeinden verbindliche, sehr detaillierte Regeln für das Begräbniswesen vorgegeben. Demnach galt der die Kirche umgebende Begräbnisplatz als geweihte heilige Stätte so wie die Kirche selbst und der Platz musste daher umfriedet sein. Die Gräber sollten so ausgerichtet sein, dass die Toten mit dem Angesicht nach Osten gelegt waren, mithin dem Sonnenaufgang und dem von Osten kommenden Christus entgegen gewendet.




Das gesamte Gelände des ersten Bevenser Friedhofs, so wie es oben beschrieben ist, war von einer massiven Mauer umgeben. Das Einfahrtstor muss sich an der Stelle befunden haben, wo heute die Lüneburger Straße und Pastorenstraße aufeinandertreffen. Daneben gab es mehrere Durchgänge für Einzelpersonen. Das ganze Gelände umfasste eine Fläche von 193 Quadratruten. Eine hannoversche Quadratrute hatte nach heutigem Maß eine Fläche von rund 22 m², somit war die Friedhofsfläche rd. 4200 m² groß. Dieser Friedhof wurde bis 1798 genutzt. Was ist heute davon noch zu erkennen? Die Einfriedungsmauer ist spurlos verschwunden. Sie ist irgendwann nach 1798 niedergelegt worden, auch weil sie der Aufstellung von Marktbuden hinderlich war, was der Fleckensgemeinde in einer Urkunde von 1798 zugestanden worden war.
Ein kleiner Teil der Fläche wurde 1903 mit dem heute noch vorhandenen Eisenzaun umfriedet. Innerhalb dieses Zaunes waren bis in die vierziger Jahre noch einzelne Grabkreuze stehen geblieben, die inzwischen verschwunden sind. Als der Platz auf dem Friedhof eng wurde, hat man wahrscheinlich das Gelände allmählich aufgeschüttet, um die Toten übereinander bestatten zu können. Diese Aufhöhung ist an der Nordseite der Umzäunung noch gut erkennbar. Teilweise ist das Friedhofsland inzwischen zu Straßenland geworden, so zum Beispiel die nördlich der Kirche verlaufende Straße "Bei der Kirche". Hier entstanden schon 1830 Probleme, als der dort wohnende Grobschmied Meyer die Einrichtung einer Schmiede auf seinem Grundstück beantragte, was trotzt einer schriftlichen "Protestation" von Pastor Schultze nach längerem Streit regierungsseitig genehmigt wurde. Man kann sich vorstellen, dass es wegen der Umwandlung des Friedhofsgeländes auch zu Auseinandersetzungen zwischen der Kirchengemeinde als Friedhofsträger und den Behörden gekommen ist. Belegt sind solche Auseinandersetzungen bezüglich des Kriegerdenkmals von 1870/71, das südlich der Kirche offensichtlich auf Friedhofsland errichtet wurde.



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